Umgang mit dem betroffenen Kind

Wenn ein Kind Schnupfen hat, gibt man ihm vielleicht ein Nasenspray. Bei kleinen Verletzungen hilft ein Pflaster. Aber was ist, wenn das eigene Kind an einer Krankheit leidet, bei der ein Griff in den Arzneischrank keine Medizin und schnelle Hilfe bereit hält?
Gratwanderung zwischen Zuwendung & Loslassen

Die Vermutung oder Gewissheit „Mein Kind hat eine Essstörung“ geht meistens mit einer klaren elterlichen Kampfansage einher: Ab sofort stellt die Krankheit einen Gegner dar, den es auszuschalten gilt – so schnell wie möglich und mit den Eltern als hauptverantwortliche, schützende und opferbereite Streitkräfte in vorderster Front…

Elterliche Liebe und Unterstützung spielen bei der Überwindung einer Essstörung zweifelsohne eine bedeutsame Rolle. Wie so oft kommt es jedoch auf die richtige Dosierung an. So ist es beispielsweise wichtig, dem betroffenen Kind die Verantwortung für seine Erkrankung nicht völlig aus der Hand zu nehmen oder es stets vor Streit und Kritik zu schützen.

Zuwendung geben, ohne es dem Kind ständig recht machen zu wollen; da sein und gleichzeitig dem jugendlichen Wunsch nach Selbstständigkeit und Autonomie nachkommen – wer seiner essgestörten Tochter oder seinem Sohn helfen will, muss auf lange Sicht lernen, ein Stück weit loszulassen.

So können Sie Ihrem Kind helfen

Ehemals von Essstörungen Betroffene wurden gefragt, welchen Umgang sie sich während der Zeit ihrer Erkrankung von Eltern, Geschwistern und anderen Angehörigen gewünscht hätten.

Hier einige ihrer Ratschläge:

  • Sprich mich nicht auf Essen, Figur oder Gewicht an, sondern frag mich lieber, wie es mir geht und sag mir, dass du dich sorgst. Dann habe ich das Gefühl, dass du dich wirklich für mich interessierst und reagiere nicht so abweisend.
  • Mach mir immer wieder Angebote zum Reden und gib nicht auf, wenn ich dich zurückstoße. Es fällt mir schwer, zuzugeben, dass es mir schlecht geht und es ist mir peinlich, angesprochen zu werden. Eigentlich will ich dich nicht verletzen. Insgeheim tut mir dein Interesse gut.
  • Rede nicht hinter meinem Rücken über mich. Ich fühle mich ausgeschlossen und verletzt. Rede auch nicht abfällig über Figur, Essen oder Essgestörte.
  • Tu meine Essstörung nicht einfach als Schlankheitstick oder Pubertätsspinnerei ab. Es ist furchtbar für mich, wenn ich als ein bisschen verrückt behandelt werde.
  • Ich wünsche mir, dass du mich auch mal lobst und mir das Gefühl gibst, dass Anerkennung und Liebe von Leistung unabhängig sind. Ich denke sonst leicht, dass ich immer noch besser sein muss, um überhaupt wahrgenommen und geliebt zu werden.
  • Informiere dich über die Krankheit, damit du mir besser helfen kannst.
  • Gib mir Bücher und Adressen von Beratungsstellen oder Therapeuten. So kann ich mir, wenn ich soweit bin, Hilfe holen.
  • Setz mich nicht mit Einladungen zum Essen unter Druck, sondern schlage Aktivitäten vor, bei denen ich mitmachen kann. Ich möchte einbezogen werden, mir fällt es aber schwer, auf andere zuzugehen.
  • Wenn ich dir sage: „Du verstehst mich nicht.“, kannst du ruhig zugeben, dass das stimmt, dass du aber trotzdem für mich da bist.
  • Reduziere mich nicht auf meine Krankheit. Es tut mir weh, wenn meine anderen Seiten nicht mehr wahrgenommen werden.

Quelle: Bonner Zentrum für Essstörungen e.V. 2009
in Anlehnung an Gerlinghoff & Backmund (2001): Was sind Essstörungen? Weinheim: Beltz.

Die richtigen Worte finden

Das erste Gespräch mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn steht noch aus, weil Sie bisher unsicher waren, wie Sie Ihre Befürchtungen und Sorgen in Worte fassen sollen? Hier einige Empfehlungen, die Ihnen helfen, die Sprachlosigkeit zu überwinden.

Gut zu wissen!
bauchgefühl-Mail-Beratung
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind Probleme mit Essen, Gewicht und Aussehen hat und Sie sich rückversichern möchten, ob es tatsächlich Hilfe benötigt, können Sie uns schreiben: beratung(at)bkk-bauchgefuehl.de – oder sich direkt an eine Beratungsstelle wenden. Gemeinsam überlegen die dortigen Experten mit Ihnen, wie Sie helfen bzw. zeigen können, dass Sie für Ihren Nachwuchs da sind. Hier finden Sie Adressen von Beratungsstellen in Ihrer Nähe.

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