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Hungern für Medaillen - Gewichtsdoping im Leistungs- und Freizeitsport

Lebenslange Sperre und Aberkennung aller sieben Tour-de-France-Siege – die Strafe des Radsportweltverbandes UCI für Lance Armstrongs Doping-Vergehen geisterte kürzlich als Top-Meldung durch die Medien. Immer wieder machen Doping-Vergehen Schlagzeilen, insbesondere der Einsatz von Blutdoping und leistungssteigernder Mittel sorgt regelmäßig für einen Aufschrei in der Presse. Deutlich leiser wird hingegen vom sogenannten „Gewichtsdoping“ berichtet. Was steckt genau dahinter und welche Folgen kann das Hungern für Medaillen haben? Erfahren Sie hier mehr…

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Ein Kilo mehr Gewicht kann einen Skispringer zwei kostbare Weitenmeter kosten, drei Zentimeter mehr Hüftumfang eine Ballerina die Karriere. Viele Sportler hungern oft schon als Jugendliche für einen Platz auf dem Treppchen – im Leistungs- wie auch im Breitensport und insbesondere in Sportarten, in denen es um Einzel-Wettkampf oder Gewichtsklassen geht.

Vielleicht haben Sie direkt eine besonders ziel- und wettkampforientierte Schülerin oder einen Schüler mit Hang zum Perfektionismus vor Augen, die bzw. der ganz in seinem Sport aufgeht und Gewichtsverlust oder extreme Schlankheit als Mittel zur Verbesserung der sportlichen Leistungsfähigkeit einsetzt? Dies sind typische Persönlichkeitsmerkmale und Beweggründe der „Gewichtsdopenden“.

Essstörungen im Sport

Ständiges Diätenhalten für Top-Platzierungen – das nennen Experten auch Sportmagersucht (Anorexia athletica). Diese gehört zwar offiziell nicht zu den seelisch bedingten Essstörungen, da das alleinige Ziel darin besteht, die eigene sportliche Leistung durch eine kontrollierte Gewichtsreduktion zu optimieren. Manche Sportler rutschen aber früher oder später durch den starken Leistungs- und Schlankheitsdruck in eine manifeste Magersucht oder Ess-Brech-Sucht ab und verlieren völlig die Kontrolle über das Essen.

Zahlreiche Studien belegen, dass ambitionierte Sportler besonders gefährdet sind, essgestörte Verhaltensweisen zu entwickeln. So fanden z. B. skandinavische Wissenschaftler heraus, dass Leistungssportler mit 13,5% im Vergleich zu 4,6% in der Kontrollgruppe, deutlich häufiger von Essstörungen betroffen sind (Sundgot-Borgen & Torstveit 2004). Das Risiko hängt dabei entscheidend von der Sportart ab…

Sportarten mit der „Lizenz zum Hungern“…

Eiskunstlaufen oder auch Turnen, Rhythmische Sportgymnastik, Ballett, Tanzen und Synchronschwimmen zählen zu den sogenannten „ästhetischen Sportarten“. Der Druck dünn zu sein, ist hier immens, weil häufig nicht nur ein möglichst beweglicher Körper, sondern auch eine besonders schlanke und zierliche Figur bei Trainern und Schiedsrichtern punktet. Bei Sportarten wie Boxen, Rudern, Karate oder Judo muss sogar ein bestimmtes Gewichtslimit eingehalten werden, nach dem die Startklassen eingeteilt werden. Viele Sportler nehmen zusätzlich ab, um in eine niedrigere Gewichtsklasse zu gelangen, in der schwächere Gegner erwartet werden. Schwimmer, Radrennfahrer, Leichtathleten und andere Ausdauersportler sind auch oft auf ein geringes Gewicht bedacht, weil sie glauben, dann höher, weiter und schneller ans Ziel zu kommen. Interessant: Ballsportarten weisen das geringste Risiko der Sportmagersucht auf.

Zu Risiken & Nebenwirkungen fragen Sie den Trainer…

Auch wenn keine Essstörung im Sinne einer psychosomatischen Erkrankung vorliegt, führt das konsequente Hungern auf Dauer zu einem körperlichen Leistungsabfall, der den Sprung aufs Treppchen immer schwerer macht: Durch die mangelnde Aufnahme von wichtigen Nährstoffen, wie Vitamine, Spurenelemente oder Proteine, fehlt dem Körper Energie. Außerdem bilden sich die Muskeln zurück und die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, was das Verletzungsrisiko erhöht. Als schwere Komplikation bzw. Folge können Schwankungen im Elektrolythaushalt, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand oder auch Osteoporose auftreten. Bei Jugendlichen kommt noch hinzu, dass sich das Wachstum und die Entwicklung verzögern können. Es stellt sich die Frage, ob die (erhofften) sportlichen Erfolge tatsächlich diese Risiken aufwiegen können.

Folgende konkrete Tipps können Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, die im Sport sehr aktiv sind oder sogar dafür leben, für ein gesundes und langfristig erfolgreiches Training mit auf den Weg geben.

Hinweisen möchten wir auch auf das Video Food Diary, in dem Schüler einer 8. Klasse das Thema im Rahmen des Videowettbewerbs 2012 aufgegriffen haben.

Quellen:

Sundgot-Borgen, J. & Torstveit, M. K. (2004): Prevelance of eating disorders in elite athletes is higher than in the general population. Clinical Journal of Sports Medicine, 14, S. 25-32.

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