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Das sollten auch Ihre SchülerInnen wissen: Diäten machen dick!

Gebrannte Mandeln, Gänsebraten, Christstollen und viele andere Leckereien… So wie das Schlemmen untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden ist, steht im Januar bei Vielen alle Jahre wieder eine Diät auf dem Plan, um die zugenommenen „Festtagskilos“ möglichst schnell wieder purzeln zu lassen. Zweifellos muss nach tagelanger Völlerei wieder eine gewisse Balance in die Ernährung gebracht werden. Mit Blick auf strikte Diäten gilt jedoch: Finger weg, Diäten machen meist nicht schlanker, sondern dicker. Und das zu jeder Jahreszeit…

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Wie die aktuelle Studie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) der Weltgesundheitsorganisation zeigt, sind dem Diätwahn nicht nur viele Erwachsene verfallen: Gut 30 Prozent der 11- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler machen zurzeit eine Diät (vgl. HBSC-Team Deutschland 2011). Bei den bis zu 10-Jährigen hat laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ebenfalls bereits ein Drittel Diäterfahrung (vgl. BZgA 2004). Dem restriktiven Essverhalten liegt dabei in jungen Jahren oftmals kein objektives, sondern lediglich ein subjektiv empfundenes Übergewicht zugrunde: Falsche Selbstwahrnehmung und idealisierte Schönheitsideale führen zahlreiche Kinder und Jugendliche in die Irre.

Der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper mittels einer Diät zu Leibe zu rücken, kann fatal sein, da diese oftmals den Einstieg in eine Essstörung bereitet, da das normale und unbeschwerte Essverhalten sowie das Hunger- und Sättigungsgefühl verloren gehen können. Hinzu kommt, dass Diäten oft keineswegs Schlankheit garantieren. Nicht umsonst sagen viele Ernährungsexperten: „Der beste Weg zuzunehmen, ist eine Diät!“ Dies bestätigen auch wissenschaftliche Studien…

Dickmacher „Diäten“ – Studien liefern den Beweis

Amerikanische Forscher begleiteten Schülerinnen und Schüler der Mittelschule und High-School über einen Zeitraum von zehn Jahren. Zu Studienbeginn, nach fünf Jahren und nochmals am Ende sollten die Teilnehmenden angeben, ob sie Diäten oder anderes ungesundes Verhalten zur Gewichtskontrolle (z. B. Auslassen von Mahlzeiten, Konsum von Diätpillen) praktizieren. Stets wurde auch der Body-Mass-Index (BMI) zur Erfassung des Gewichts erhoben.

Das Ergebnis dieser Längsschnittstudie ist, dass diejenigen weiblichen Probandinnen, die immer wieder Diät gehalten haben, nach zehn Jahren einen höheren BMI aufweisen, als jene, die keinerlei Diät gemacht haben: Während sich der BMI bei den Diäthaltenden Frauen über die Jahre um 4.33 Punkte nach oben bewegte, stieg der Wert bei den „normalen“ Esserinnen nur um 2.38 Punkte an. Bei den männlichen Teilnehmern zeigt sich ein ganz ähnliches Bild: Auch hier hatten die regelmäßigen Diäthalter nach zehn Jahren einen deutlich höheren BMI (Erhöhung um 6.96 Punkte) als die „normalen“ Esser (Erhöhung um 3.45 Punkte) (vgl. Neumark-Sztainer et al. 2012).

Um Ihnen noch einen weiteren Beleg zu liefern: Eine Wissenschaftlerin von der University of California hat sich gemeinsam mit einigen Kollegen 31 bereits veröffentlichte Diät-Studien zu einer erneuten Auswertung vorgenommen. Berücksichtigt wurden dabei nur Studien, die mindestens zwei Jahre lang den Erfolg des Abnehmens kontrolliert hatten. Ernüchterndes Fazit: In den ersten sechs Monaten gelingt es mit vielen Diäten durchaus, 5-10 Prozent des Körpergewichts zu verlieren. Betrachtet man jedoch die langfristige Wirkung über einen Zeitraum von 2-5 Jahren, dann ist keine einzige wissenschaftlich untersuchte Diät in der Lage, eine dauerhafte Gewichtsabnahme zu erzielen.

Schuld daran ist zumeist der berühmte Jo-Jo-Effekt und die Tatsache, dass nahezu alle Diäten auf dem gleichen Wirkprinzip, der negativen Energiebilanz, basieren…

Wirkung & Wirkungslosigkeit von Diäten: Thema des Unterrichtsprogramms „bauchgefühl“

Was es im Detail mit dem Jo-Jo-Effekt auf sich hat und wie Sie das Thema „Diäten“ im Unterricht aufgreifen können, hält der Materialordner „bauchgefühl“ für Sie bereit.

Ganz konkret greift die mädchenspezifische Unterrichtseinheit 4, konzipiert für die Jahrgangsstufe 6/7, die Wirkungslosigkeit und Risiken von Abspeckkuren auf. Folgende Übungen und Materialien stehen für den direkten Einsatz bereit:

Soziometrische Übung zum Thema „Diät“
Wer kennt jemanden, der schon einmal eine Diät gemacht hat? Wer hat eine Ahnung, was sich hinter dem Jo-Jo-Effekt verbirgt? Als Einstieg ins Thema gruppieren sich die Schülerinnen nach diesen und weiteren Fragen, so dass ein großes Erfahrungs- und Einstellungsbild entsteht.

Podcast „Diät-Rap“ mit anschl. Informationsvermittlung „Leben auf Sparflamme“
Wie die soziometrische Übung höchstwahrscheinlich aufzeigen wird, verfügen einige Schülerinnen bereits selbst über Diäterfahrungen. Eine weitaus größere Zahl wird von Diätversuchen eines Familienmitglieds berichten. Angesichts dieser hohen Verbreitung ist eine frühzeitige Aufklärung über die körperlichen Vorgänge und Risiken bei Diäten mehr als sinnvoll.

Zur Einstimmung können Sie auf den Podcast „Diät-Rap“ zurückgreifen (s. Medien- und Material-CD), der eine Aneinanderreihung unzähliger Diäten beinhaltet und damit aufzeigt, dass die Zahl der „Wunderdiäten“, welche alle das schnelle und problemlose Abnehmen versprechen, schier unüberschaubar ist Anschließend erfolgt das Unterrichtsgespräch. Hierzu haben wir zentrale Informationen zusammengestellt, die Sie zur Aufklärung über Diäten einsetzen können. Zur Veranschaulichung des sogenannten Jo-Jo-Effekts bietet sich eine gleichnamige Folienvorlage an.

Quellen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (2004): Essstörungen… was ist das? Köln: BZgA.

HBSC-Team Deutschland (2011): Studie Health Behaviour in School-aged Children – Faktenblatt „Körperbild und Diätverhalten von Kindern und Jugendlichen“. Bielefeld: WHO Collaborating Centre for Child and Adolescent Health Promotion.

Mann, T., Tomiyama, A. J., Westling, E.. Lew, A.-M., Samuels, B., Chatman, J. (2007): Medicare’s search for effective obesity treatments: Diets are not the answer. In: American Psychologist 62 (3), S. 220-233.

Neumark-Sztainer, D., Wall, M., Story, M., Standish, A. R. (2012): Dieting and Unhealthy Weight Control Behaviors During Associations With 10-Year Changes in Body Mass Index. In: Journal of Adolescent Health 50, S. 80-86.

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Ein Feind schadet, verletzt, zerstört. Doch schlimmer ist ein falscher Freund – meiner war der Zwang zu hungern.

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