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Essstörungen? Was hat das eigentlich mit mir zu tun?

Wir handeln jeden Tag, bilden uns Meinungen und treffen ständig Entscheidungen. All das hinterfragen wir mal mehr, mal weniger. Oftmals bleibt angesichts des Stresses und der Schnelllebigkeit des Alltags wenig Zeit dazu. Zusätzlich zu den täglichen Anforderungen in die Rolle des „eigenen Psychotherapeuten“ zu schlüpfen, der sich selbst in einer Tour analysiert, erscheint eher hemmend und kontraproduktiv.

Ab und zu kann es nichts desto trotz hilfreich und spannend sein, in einem „gesunden“ Maß mal ein bisschen näher hinzuschauen und die eigenen Einstellungen, Gefühle und Verhaltensweisen – auch in Punkto Essstörungsprävention – bewusst wahrzunehmen und zu hinterfragen. Wir laden Sie hiermit zu einer Selbsterkundungstour ein…

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Gewicht, Aussehen & Schönheitsideal – Allgegenwärtige Dauerbrenner…

Wer von uns hat sich nach einem ausgiebigen 5-Gänge-Menü im netten Kreis nicht auch schon einmal dazu ermahnt, am nächsten Tag bewusst „kürzer zu treten“ oder gar einen Obsttag einzulegen? Fragen Sie sich, wie sich Madonna mit 50 in Yogastellungen verbiegen kann, die Ihnen alle Knochen brechen würden und wie diese Dame in einem Alter in dem man vor einiger Zeit fast in Frührente ging, aussehen kann wie eine 30-Jährige? Haben Sie nicht auch schon einmal heimlich oder ganz bewusst eine Zeitschrift gekauft in der die neue „Gurken-Diät” Ihnen 3 Kilo in 3 Tagen versprach?

Sie ahnen worauf wir hinaus wollen: Die Themen „Gewicht“, „Aussehen“ oder auch „Diät“ sind überall präsent. Viele mögen diese Aspekte weniger beschäftigen als manch andere. Dennoch: Wir werden in den Medien und in unserem sozialen Umfeld wiederkehrend mit all dem konfrontiert.

Gerade weil wir es bei obigen Themen mit allgegenwärtig „heißen Eisen“ zu tun haben, bietet eine kritische Selbstreflexion einen entscheidenden Beitrag zum erfolgreichen Handeln in der Prävention von Essstörungen. Denn wenn Sie sich über Ihre eigenen Einstellungen und Gefühle hinsichtlich all der mitschwingenden Themen rund um „Essstörungen“ bewusst sind, sich selbst zugestehen, nicht perfekt sein zu müssen und offen zu Ihren Stärken wie Schwächen stehen, wirken Sie echt und ehrlich und können das Vertrauen Ihrer Schülerinnen und Schülern gewinnen.

Vorurteilen und eigenen Schwächen auf die Schliche kommen…

Hegen Sie möglicherweise insgeheim ein bisschen Bewunderung für extrem dünne Menschen, die es schaffen, die totale Kontrolle in Punkto Ernährung aufrecht zu erhalten? Kam Ihnen bei einem stark übergewichtigen Mann in der Fußgängerzone auch schon einmal der Gedanke: „Mensch, der müsste sich doch einfach nur mal mehr bewegen, anstatt immer mit der Chipstüte vor dem Fernseher zu sitzen!“?

Diese und ähnliche Gedanken und Einstellungen gilt es zu entlarven und kritisch zu hinterfragen. Ein solcher Prozess erfordert ein wenig Zeit und Ruhe, doch das Ergebnis ist lohnenswert. Denkmuster und Verhaltensweisen, die sonst ganz einfach automatisch ablaufen, können in einen Zusammenhang gebracht und die eigene Wahrnehmung geordnet werden.

Allerdings ist nicht jede Form der Selbstreflexion förderlich: Ziellose, kreisende Grübeleien lassen Sie am Ende ohne greifbares Ergebnis und konkrete Anknüpfungspunkte für Weiterentwicklungspotenziale zurück. Experten geben stattdessen den Tipp, sich gezielte Fragen zu stellen und dabei objektiv und ehrlich zu bleiben.

Reflexionsfragen zu den Themen Schönheit, Ideale & Essverhalten

Folgende Gesichtspunkte könnten mit Blick auf die Essstörungsprävention zum Beispiel hilfreich sein:

  • Was ist für mich Schönheit?
  • Wie fühle ich mich in meinem Körper?
  • Welche Rolle spielt meine Figur für mein Selbstbewusstsein?
  • Gibt es Essgewohnheiten, die ich bei mir selbst kritisch bewerte?
  • Welche Assoziationen verbinde ich mit Essstörungen?
  • Welche Gefühle und Gedanken lösen Über- und Untergewicht bei mir aus?
  • Welche Suchtverhaltensweisen kenne ich von mir selbst?

Weiterführende Fragen zur Problemlösung, Gefühlsregulation & Entspannungsfähigkeit

Aber nicht nur die kritische Auseinandersetzung mit Aspekten wie Körperlichkeit oder Essverhalten sind für die reflektierte Vorbeugung von Magersucht & Co. von Bedeutung. Eine erfolgreiche Präventionsarbeit wird ebenso mitbestimmt von dem Erkennen und Wertschätzen eigener Fähigkeiten und Grenzen. Weiterführende Fragen könnten daher lauten:

  • Wenn ich ein Problem habe oder es mir schlecht geht: Hole ich Rat/ Hilfe oder habe ich den Anspruch, es alleine zu schaffen?
  • Kann ich mich abgrenzen oder mache ich die Probleme anderer zu meinen eigenen?
  • Fällt es mir leicht, meine Gefühle wahrzunehmen und zu kommunizieren?
  • Welchen Wert räume ich meinen Bedürfnissen ein?
  • Was tue ich, um Stress abzubauen und mein Wohlbefinden zu steigern?

Wie wäre es, wenn Sie Ihre Gedanken schriftlich festhalten? Formulieren Sie diese am besten so konkret wie möglich aus. Unklarheiten fallen dann eher auf. Mit Hilfe dieser Methode schaffen Sie sich eine Basis für Ihre praktische Präventionsarbeit, auf die Sie immer Bezug nehmen und die Sie immer weiter ausbauen können.

Wir wünschen Ihnen eine vergnügliche & erkenntnisreiche Selbsterkundungstour!

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beratung@bkk-bauchgefuehl.de

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Lest hier das Exklusiv-Interview von LaFee. Wir sprachen mit Ihr über Ihre Lieder und über bauchgefühl.

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