Artikel

Jugendliche machen Medien - Resümee des Videowettbewerbs "Project Size Zero? Zeig mehr Größe!"

Im Juni wurden sie ausgezeichnet – die drei Preisträgergruppen des Videowettbewerbs, den der BKK Bundesverband als diesjähriges Highlight Anfang 2012 bundesweit ausgeschrieben hatte. Die Konkurrenz war groß: In knapp zwei Monaten erreichten uns 52 Videos, die durch thematische Vielfalt, Kreativität und hohe Produktionsqualität begeisterten und zeigen, dass Medienprojekte auch mit Blick auf die Prävention von Essstörungen einen überaus wertvollen Beitrag leisten können…

Bild: 'Bild Videowettbewerb_Website.JPG'

Machtvolle Medien…

Internet, Fernsehen, Zeitungen, Magazine, Radio… Zweifellos sind Medien so präsent wie nie. Ob Nachrichtenliveticker, Audio- oder Videospots: In Sekundenschnelle ist heutzutage alles auch online abrufbar. Über sämtliche Kanäle nonstop „auf Empfang“ ist in vorderster Front die Mehrzahl der Jugendlichen, für die Medien einen wesentlichen und nicht wegdenkbaren Bestandteil ihrer Lebenswelt darstellen.

Ob die Omnipräsenz der Medien Segen oder Fluch ist, soll an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden. Mit Blick auf die Entstehung von Essstörungen lässt sich jedoch beobachten, dass „dünn sein“ medial oftmals als „goldener Standard“ definiert wird und mit extrem schlanken sowie erfolgreich und glücklich dargestellten Models, Schauspielern und anderen Prominenten fragwürdige und unerreichbare Vorbilder geschaffen werden. In Kombination mit dauerpräsenten Diättipps kann dies ungesunde Ernährungspraktiken begünstigen.

Medienmacher statt Medienopfer

Medienprojekte wie der Videowettbewerb des BKK Bundesverbandes „drehen den Spieß um“, indem sie Jugendliche aus der Konsumentenrolle in die der Mediengestalter versetzen.

Medien wie Videoclips werden damit zur persönlichen Plattform und zu einem wirkungsvollen Instrument der inhaltlichen Auseinandersetzung. Schließlich gilt es, vor Drehbeginn viele Fragen zu klären: Welchen Problemaspekt wollen wir in den Blick nehmen? Wie soll unsere Botschaft lauten? Wie können wir unser Anliegen in kurzer Zeit und mit welchen stilistisch-originellen Mitteln transportieren? ...und so weiter – aus gesundheitsförderlicher Sicht ein überaus wertvoller, da dynamischer, konstruktiver und kreativer Prozess.

Essstörungen aktiv etwas entgegensetzen – Der Videowettbewerb „bauchgefühl“

Endlich einmal selbst die Botschaft bestimmen und eigene Gedanken, Gefühle und Anliegen zum Thema Essstörungen zum Ausdruck bringen – diese Chance nutzten im Rahmen des Videowettbewerbs „bauchgefühl“ von Februar bis April 2012 über 50 Gruppen, die damit dem Motto „Project Size Zero? Zeig mehr Größe!“ folgten.

Alle Genres und Themen waren möglich, was zu einer Fülle unterschiedlicher Präsentationsformen und Inhalte führte. Eingereicht wurden Kurzstorys, Reportagen, bebilderte Gedichte, Trickfilme, moderne Märchen und Musikclips mit selbstkomponierten Songs. Der Einfallsreichtum der Jugendlichen, die ihre Clips im Rahmen von Schul- oder Freizeitprojekten drehten, war schlichtweg beeindruckend. Oft wurde spürbar, dass Essstörungen für die Mädchen und Jungen in ihrem Alltag sehr präsent sind – etwa weil eine Freundin oder Mitschülerin unter dieser Krankheit leidet.

Durch Vorauswahlrunden und lebhafte Diskussionen gelang es der Jury, aus der Vielzahl kreativer Einsendungen die Besten – und letztendlich die drei Preisträger – zu ermitteln.

Der Anspruch lag dabei nicht auf möglichst „perfekten“ und professionellen Medienprodukten. Als Bewertungskriterien wurden vielmehr die Präventionsbotschaft und der Inhalt des Videos genau in den Blick genommen. Hierzu wurde bewertet, wie das Video für die Anfänge, Folgen und Ursachen von Essstörungen sensibilisiert und welche vorbeugenden Schutzfaktoren und stärkenden Ressourcen es aufgreift. Gleichzeitig wurden auch die Gestaltung und Umsetzung und selbstverständlich die Faktoren Originalität und Kreativität mit in die Wertung einbezogen. Die alles entscheidende Frage war: Spricht das Video andere Jugendliche an, weckt es Emotionen und bleibt es auf diese Weise mit seiner präventiven Aussage im Gedächtnis?

Die Preisträger-Videos

Anhand des vorgestellten Bewertungsrasters wurden folgende Beiträge prämiert:

1. Platz: „Sie… Annas Weg“

In dem gerappten Stück wird der Zuschauer auf packende Weise mit auf „Annas Weg…“ genommen, in deren Leben die Magersucht als „beste Freundin“ lange die Hauptrolle spielt und irgendwann von Anna besiegt wird. Der Film überzeugt mit einer herausragenden Präventionsbotschaft, die da lautet: Essstörungen sind nicht unbezwingbar, ein genussvolles und unbeschwertes Leben ohne die Erkrankung ist möglich!

2. Platz: „Sag NEIN zu Size Zero! Und JA zu Freundschaften!“

Das zweitplatzierte Video verdeutlicht einerseits die ganz wichtige soziale Funktion des Essens und thematisiert andererseits die dramatischen Auswirkungen einer Essstörung auf Beziehungen und Freundschaften: Über kurz oder lang spielt nicht mehr die Clique, sondern die Essstörung die Hauptrolle. Isolation und Einsamkeit sind die Folge. Die subtile, leise und technisch raffiniert umgesetzte Darstellung erinnert an eine professionelle Kampagne.

3. Platz: „Food-Diary“

„Essstörungen können auch Jungs betreffen und dann, ebenso wie bei Mädchen, mit schwerwiegenden Folgen einhergehen “ – so lautet die wichtige Botschaft des drittplatzierten Videoclips. In Form von Tagebucheinträgen wird ohne Weichzeichner dargestellt, wie sich ein Junge seinen Diät- und Sportwahn durch scheinbar positive Argumente schönredet. Warnsignale werden ignoriert, bis es schließlich zum körperlichen Zusammenbruch kommt.

Die prämierten Videos sowie weiterführende Informationen zur Preisverleihung und den Gewinnerinnen und Gewinnern finden Sie hier.

Schulische Prävention durch Medienprojekte

Wie wäre es, wenn Sie einen klassen- oder schulinternen Videowettbewerb zum Thema Essstörungen durchführen? Selbstverständlich können Sie auch ein anderes Medium (Plakat, Zeitungsartikel, Podcast etc.) in den Fokus stellen.

Viele Städte und Kreise verfügen über sogenannte Medienzentren, die Sie bei der Planung und Durchführung solcher Medienprojekte mit Rat, Fachkräften und/ oder technischem Equipment unterstützen.

Du hast Fragen? Zu Dir, zu einer Freundin, einem Freund, oder etwas anderem? Schreib uns einfach!

beratung@bkk-bauchgefuehl.de

Das Therapienetz Essstörung beantwortet gerne Deine Fragen.

Du möchtest Dich vor Ort informieren? Hier findest Du Beratungsstellen in Deiner Nähe...

Mehr Infos...