Artikel

„Wegen Umbauarbeiten vorübergehend geschlossen“ – Schulische Prävention & Pubertät

Gelangweilt-abwesend, vor Scham verstummt oder rot angelaufen, breit grinsend, albern, betont cool… Kommen Ihnen diese „Gesichter der Pubertät“ auch von Ihren SchülerInnen der Klassen sieben bis neun bekannt vor?

Da das Unterrichtsprogramm „bauchgefühl“ in genau diesen Jahrgangsstufen verankert ist, möchten wir uns im Folgenden ansatzweise mit der Frage auseinandersetzen, wie Unterricht, schulische Prävention und die Lehrer-Schüler-Beziehung in dieser Zeit des „hormonellen Ausnahmezustandes“ ressourcenorientiert gestaltet werden kann…

Bild: 'iStock_000002062528Small.jpg'

Um es mal verharmlosend auszudrücken: Die Pubertät ist eine intensive Zeit – für die betroffenen Mädchen und Jungen wie auch für die Menschen in ihrem Umfeld. Auf der einen Seite nicht mehr richtig Kind und auf der anderen längst noch nicht erwachsen, durchlaufen die Jugendlichen eine Art „Neuprogrammierung“. Diese spielt sich auf körperlicher, hormoneller, geistiger, emotionaler und sozialer Ebene ab. Parallel dazu muss eine ganze Palette an Entwicklungsaufgaben bewältigt werden. Zu den wichtigsten zählen die Selbstfindung, die Loslösung vom Elternhaus, der Aufbau einer (beruflichen) Zukunftsperspektive sowie die Erforschung und Entwicklung der eigenen Geschlechterrolle.

Kein Wunder also, dass es bei all diesen „Baustellen“ zu „Kurzschlüssen“ kommen kann, die auch für den Unterricht nicht folgenlos bleiben…

Herausforderung für SchülerInnen & Schule

Viele von Ihnen werden tagtäglich feststellen, dass die Zeit des Erwachsenwerdens für eine Mehrheit der Jugendlichen mit Schulunlust, Rebellion und geringem oder zumindest schwankendem Interesse am Unterrichtsstoff einher. Nahezu alles scheint spannender und besser zu verschmerzen als die Schule, die mit ihrem kollektiven Rahmen, den erzwungenen Kontakten zu (zum Teil) nervenden MitschülerInnen und Lehrkräften sowie den ganzen Regeln und Routinen als Stressfaktor wahrgenommen wird.

Vielleicht können Sie darüber hinaus auch beobachten, dass viele Schülerinnen und Schüler relativ unabhängig von der Anerkennung und Bestätigung durch Sie als Lehrerinnen und Lehrer werden. Stattdessen gewinnen die Reaktionen, Bewertungen und der Einfluss der Peergroup enorm an Bedeutung. Eine „Mir kann keiner was“-Attitüde wird häufig auch mit großem Selbstvertrauen in Bezug auf die Schulleistungen gepflegt.

Gleichzeitig ist für die Pubertät aber auch typisch, dass das Selbstwertgefühl in den Keller wandert und sich dort mit Selbstzweifeln herumschlägt. Jugendliche in dieser Altersphase fühlen sich daher häufig „schüchtern, hässlich, einfach »völlig daneben«“ (Benard & Schlaffer 2000, S. 174) und zutiefst unsicher.

Sie werden uns zustimmen: Wir haben es mit einer spannenden, wechselhaften und zum Teil anstrengenden Lebensphase zu tun und mit Jugendlichen, die aufgrund ihres ambivalenten Verhaltens nicht per se in eine Schublade gesteckt werden können…

Unterricht, Lehrkräfte & MitschülerInnen: Was sich Jugendliche wünschen

Im Rahmen einer Projektarbeit zum Thema Jugend, zu dem auch der Präventionsaspekt „Essstörungen“ zählte, wurden Wiesbadener Schülerinnen und Schüler einer 8. Klasse in die Planungsphase der Unterrichtsreihe aktiv mit einbezogen und nach Ihren Wünschen und Erwartungen befragt. Die Ergebnisse geben erste Hinweise auf Gelingensfaktoren in Bezug auf die Unterrichtsgestaltung und das Verhältnis zwischen den Akteuren.

So führen die Schülerinnen und Schüler bei präferierten Arbeitsformen häufig selbstständige, forschend-entdeckende und anschauliche Möglichkeiten der Erarbeitung an (vgl. Zergiebel 2011). „Die Erwartungen an die Lehrkraft gehen in die Richtung, dass sie ernst genommen werden wollen, dass es wenig Belehrung und Frontalunterricht geben soll und dass außerschulische Erfahrungen in den Unterricht eingebracht werden können“ (ebd., S. 12). Von ihren MitschülerInnen möchten die Jugendlichen vor allem toleriert und akzeptiert werden. Weiterhin wünschen sie sich verlässliches gemeinsames Arbeiten und Spaß in der Gemeinschaft.

Konkrete Schlussfolgerungen, die aus diesen Erkenntnissen für die Unterrichts- und Beziehungsgestaltung gezogen werden können, hält unser zweiter Teil für Sie bereit.

Du hast Fragen? Zu Dir, zu einer Freundin, einem Freund, oder etwas anderem? Schreib uns einfach!

beratung@bkk-bauchgefuehl.de

Das Therapienetz Essstörung beantwortet gerne Deine Fragen.

...und mache den interaktiven Essstörungstest von ANAD e.V. Er hilft Dir, Dein Essverhalten ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

Klick hier...