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Das Interview mit LaFee

Drei Tage lang ging es auf der Duisburger Jugendmesse „respect our future” um berufliche Perspektiven und andere Zukunftsfragen. Knapp 24.000 Jugendliche waren mit jeder Menge Spaß und Kreativität dabei. Top Act im großen Musikprogramm war die bauchgefühl-Patin LaFee. Ihre Rock- und Popsongs handeln nicht nur von der großen Liebe. Sie setzt sich auch mit kritischeren Themen auseinander. Kurz vor ihrem Auftritt hatte das bauchgefühl-Team die Möglichkeit, backstage kurz mit seiner sympathischen Patin zu sprechen.

Bild: 'LaFee.jpg'

Hallo LaFee, vielen Dank, dass Du so kurz vor einem Auftritt Zeit für bauchgefühl hast. Deine Zusage, Patin für das Projekt zu werden, kam ganz schön schnell. Darüber freuen wir uns natürlich – aber was hat Dich bei dem Thema eigentlich so gereizt?
Also, ich mache das ja jetzt zum ersten Mal bei so einem Projekt. Ich hab mir das Ganze angeguckt und ein bisschen darüber gelesen und fand es ziemlich wichtig, da mitzumachen und sich dafür einzusetzen. Ich hab mich ja unter anderem auch schon mal in einem Song damit auseinandergesetzt.

Und was verbindest Du spontan mit dem Wort bauchgefühl?
Die Entscheidungen, die aus dem Bauch raus getroffen werden, sind meistens die Richtigen. Nicht immer, aber ich bin bisher damit gut gefahren.

Stimmt, Mitte 2007 ist Dein Album Jetzt erst recht erschienen. Zu dem eigentlich sehr rockigen Sound der CD hast Du gesagt Dieses Album bin ich. Wie kommt der Song Du bist schön dazu?
Ich weiß nur noch, dass mir diese ganzen dürren Victoria Beckhams dieser Welt so auf die Nerven gingen, die einem sagen wollen, wie man auszusehen hat. Da wollte ich dann was dazu machen. Ich konnte das „size zero“ einfach nicht mehr hören. Und mir ist es wichtig, ganz verschiedene Themen anzupacken. Auch wenn das manchen Leuten nicht gefällt. Das Album insgesamt ist aber für alle, die nicht an mich geglaubt haben.

Du bist schön handelt ja von Magersucht. Im Moment sind Essstörungen, Ernährung und gesundes Leben ja insgesamt ein Riesenthema. Glaubst Du, es gibt heute mehr Essstörungen als früher?
Ja, ich glaub‘ schon. Es kommt ja letztlich auch immer mehr aus Hollywood und den Medien allgemein hier an, was einem dauernd sagt, Du bist zu dick, es muss size zero sein, du musst schön sein, dünn sein. Durch die Medien wird halt die Unzufriedenheit der Jugendlichen noch geschürt, die eh vielleicht schon ein Problem mit sich selber haben, was ja in unserem Alter oft vorkommt. Ich meine die Pubertät, wo man sich eh zu dick, zu dünn und sowieso zu hässlich findet. Und es ist schwer, sich diesem ganzen Model-Wahnsinn zu entziehen.

Kennst Du jemanden, der Magersucht oder eine andere so genannte Essstörung hat?
Nein, eigentlich nicht. Zumindest nicht, dass ich das wüsste.

Zu Deinem Image als Musikerin und Sängerin gehört ja auch Dein persönlicher Look. Musst Du dafür sehr auf Deine Figur achten und auf vieles verzichten?
Ja und nein. Natürlich muss ich aufpassen, dass ich nicht zu viel zunehme oder so. Ich habe aber schon immer ziemlich viel Sport gemacht und mache ich auch immer noch. Da ist das dann nicht so ein Problem. Aber wenn ich plötzlich tierisch zunehmen würde, wäre gleich die Presse da und würde spekulieren. Insofern muss ich schon aufpassen – aber nicht wirklich verzichten. Will ich auch gar nicht, dafür ist mir mein Leben viel zu wichtig. Ich will schließlich, dass das schön bleibt. Aber ich bin ja auch nicht sooo dünn – wie sähe das auch aus. Das wäre dann auch nicht ich.

Also geht auch mal ein Burger?
Ja klar. Man isst sowas ja nicht jeden Tag. Aber wenn ich zum Beispiel Lust auf Schokolade habe, dann esse ich auch mal eine Tafel. Das ist bei mir immer drin.

Also isst Du gerne?
Ja – essen und genießen!

Wir stellen uns so eine Tour relativ stressig vor. Wie funktioniert das denn dabei mit dem Essen?
Mit dem Essen geht das wegen des Caterings gut. Man kann ja dem Caterer sagen, was man will. Und man kriegt dann auch alles. Viel Obst und ein bisschen Schokolade stehen sowieso immer da. Obst gegen den kleinen Hunger und ein süßer Kick für ab und zu.

Bleibt Dir dabei genug Zeit, um Dich zu erholen, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben?
Manchmal nicht so viel. Je nachdem, ob ich gerade auf Tour bin oder ganz viel ins Studio gehe. Manche Freunde beschweren sich natürlich, dass wir uns so selten sehen. Da haben sie dann auch Recht. Bei ein paar anderen ist einfach klar geworden, dass sie eigentlich gar keine Freunde waren.

Was ist für Dich denn in der Freizeit am Wichtigsten?
Meine Familie auf jeden Fall. Nach zwei Tagen bin ich bei denen wieder voll aufgetankt. Wenn ich auf Tour bin, weiß ich nach ein paar Tagen sowieso nicht mehr, wo ich bin und welcher Tag gerade ist. Dann steht man so unter Strom und denkt nur noch an die Musik, den Job. Aber dann bin ich ja doch wieder mal eine Woche zu Hause. Das sind dann meine Ferien.

Du hast die Schulzeit und die klassischen Ferienzeiten ja schon hinter Dir. Das Projekt bauchgefühl findet aber ja hauptsächlich in Schulen statt. Findest Du Schule einen guten Ort für ein so sehr persönliches Thema?
Ja, gerade die Schule. Da kommen doch alle zusammen hin beziehungsweise da müssen ja alle hin. Und da kriegen auch alle das Gleiche mit und können drüber reden. Und vor allem ist es gut, dass sich etwas ältere Mädchen auch um Jüngere kümmern können. Untereinander funktioniert das irgendwie besser, als wenn man alles nur mit Lehrern besprechen kann.

Was bedeutet Schönheit denn für Dich?
Gar nicht so einfach die Frage, weil ich finde, dass Schönheit von innen kommt und so extrem unterschiedlich ist. Klar kann es sein, dass der eine ein bisschen schöner aussieht, als der andere. Aber das sieht ja auch jeder anders. Abgesehen davon ist das Äußere ja wohl auch nicht das Einzige, was zählt. Und nur weil vielleicht jemand ein bisschen Akne hat oder so, heißt das nicht, dass er nicht schön ist. Das wäre ja irgendwie oberflächlich. Lachen, finde ich, macht schön. Und wenn jemand sich wohlfühlt sieht man das auch. Das ist auch schön.

Würdest Du Deinen Fans und den Lesern dieses Interviews gerne noch eine Botschaft zum Thema Bulimie und Magersucht mitgeben?
Bitte lasst euch nicht von den Medien irritieren oder von irgendwelchen Leuten etwas einreden. Achtet auf euren Körper, gesunde Ernährung ist wichtig. Und schlank sein und einen trainierten Körper zu haben, hat nichts mit Magersucht zu tun!

>> hier geht’s direkt zum Songtext Du bist schön

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Ein Feind schadet, verletzt, zerstört. Doch schlimmer ist ein falscher Freund – meiner war der Zwang zu hungern.

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